Leitbild und Arbeitskonzept

Präambel:   

Wir sind ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Stadtgemeinde Bad Aussee , der  Gemeinde Stainach-Pürgg mit Unterstützung des Land Steiermark Bildung, Gesellschaft, Gesundheit und Pflege arbeitet

I.)Träger:                 Verein Jugendzentrum Ausseerland

Mit den Einrichtungen Jugendzentrum Bad Aussee
dem Jugendtreff Stainach-Pürgg
sowie dem herausreichenden Angebot in der Region

II.) Zielgruppe:         Im offenen Betrieb sprechen wir 12 – 19 Jährige an, die aus den Gemeinden Bad Aussee, Altaussee, Grundlsee sowie Bad Mitterndorf kommen, ebenso für Projekte und Beratungen. Kostengünstige Nachhilfe, bei der unsere Räumlichkeiten genutzt werden können bieten wir für Kinder ab 8 Jahren an. Für Peergroupprojekte und Beratungsgespräche sowie ehrenamtliche Tätigkeiten fallen vor allem 19 – 26 Jährige in die Zielgruppe. Wir legen großen Wert auf Diversität, so sind Menschen mit besonderen Bedürfnissen sowohl im offenen Betrieb als auch bei Projekten eingebunden. Der Anteil der weiblichen NutzerInnen ist zwar kleiner, allerdings beteiligen sich Mädchen bei Projekten aktiv 50/50 (siehe auch Leistungsindikatoren) und ihre Nutzung des offenen Betriebes ist zielgerichteter als die der Burschen.

III.) Rahmenbedingungen/Auftrag:

Jugendliche die zu uns kommen, sind Personen mit einem Anliegen. Dies kann die Nutzung  unseres kommunikativen Angebotes oder der Projekte zu verschiedensten Themen sein oder auch Gespräche  zu persönlichen oder beruflichen Themen. Wir verstehen darunter für die Jugendlichen da sein, mit ihnen zu kommunizieren und Zeit für sie zu haben. Dabei legen wir besonderen Wert auf die Methoden der gewaltfreien Kommunikation sowie des aktiven Zuhörens. So können belastbare Vertrauensverhältnisse entstehen, auf die die Jugendlichen bei Bedarf zurückgreifen.

Offene Jugendarbeit gibt den Jugendlichen die Möglichkeit, jenseits der Erwachsenenwelt mit ihren eigenen Lebensentwürfen zu experimentieren und ihre eigenen Interessen und Bedürfnisse zu definieren und zu artikulieren. Im Jugendalter sind entscheidende Entwicklungsschritte angesiedelt. Die Zeit der Jugend stellt viele Entscheidungen und Herausforderungen an den Heranwachsenden. Gerade in dieser Zeit fällt es dem Umfeld schwer, Jugendlichen den nötigen Raum und die nötige Unterstützung für eine optimale Entwicklung zu geben.

Der Verein Jugendzentrum Ausseerland ist seit 1999 Ansprechpartnerin für Jugendliche in der Region. Wir richten uns auch an Eltern, Institutionen und Personen welche in ihrem Umfeld mit Jugendlichen zu tun haben. Für Kooperationen mit angrenzenden Handlungsfeldern setzen wir uns aktiv ein. Diesbezügliche langjährige Anstrengungen waren nicht fruchtbar, da aufgrund der finanziellen Konkurrenz im Bezirk jeder nur „seine eigene Suppe kocht“.

Wir versuchen so nah wie möglich an der Lebenswelt von Jugendlichen dran zu sein und zwischen der Welt der Jugendlichen und der Erwachsenenwelt zu vermitteln. Wir wollen Jugendliche unterstützen in der Gesellschaft Fuß zu fassen und ihnen Raum geben um sich optimal zu entwickeln. Jugendliche, welche in ihrer Freizeit wenig organisiert sind,  können neue Möglichkeiten der Freizeitgestaltung kennen lernen.

Dabei möchten wir die Strategische Pädagogik hervorheben, da es in der Arbeit als Jugendbetreuerin dazu kommen kann, dass wir frustriert sind, da „zwischen dem, was zu tun wäre und dem, was getan wird, keine klare Übereinstimmung herrscht“. Dazu kommt, dass in unseren Einrichtungen, im Gegensatz zu Familienhilfe oder auch Wohneinrichtungen, es keine klare Fallzuteilung oder Bezugskind- Zuweisung gibt. Es ergeben sich zwar lange Beziehungszeiten, die Interventionen müssen aber manchmal aufgrund der Besucherfrequenz und Personalressourcen zwischen Tür und Angel stattfinden.[1].
Durchschnittlich nutzen die Jugendlichen 4 – 5 Jahre die Angebote unserer Einrichtung, die meisten sehr regelmäßig, also mindestens 4 Tage pro Woche mit 2-4 Stunden Aufenthaltsdauer. Dazu passen wir z.B. unsere Öffnungszeiten immer wieder an die Jugendlichen bzw an ihr Alter an. Aufgrund unserer Größe (kleine Struktur) können wir bei Anliegen rasch reagieren und dazu Projekte, gemeinsame Informationssuche oder auch Einzelgespräche anbieten.

Ziele

-Förderung der Resilienz: Durch stabile Beziehungen entwickelt sich nachweislich eine positive Weltsicht und die Fähigkeit seine Realität bewusst zu gestalten. Durch Beobachtung und Kommunikation, also die sozialen Einflüsse, entwickelt sich gestaltendes Wissen

– Förderung der Dialogbereitschaft und Gemeinschaftsfähigkeit

– das verantwortungsvolles Umgehen mit der eigenen Umgebung und den Mitmenschen

– die Verbesserung der individuellen Lebenssituation durch Beratung in spezifischen Lebenslagen

– Erweiterung der kreativen Möglichkeiten

– die eigenen Interessen formulieren und umsetzen zu können

– Arbeitsmarktrelevante Förderung, Unterstützung bei Aus- oder Weiterbildungsfragen

– Schnittstelle/Lobbying  zwischen Jugendlichen und politisch Verantwortlichen

 

Input/ Ressourcen/Struktur/Rahmenbedingungen:

– Finanzierungsstandards:
Seit 2008 erhalten wir von der Gemeinde Bad Aussee den gleichen Förderbetrag,. Durch Calls können wir fast jedes Jahr das dadurch entstehende Minus ausgleichen. Versuche, die Umlandgemeinden einzubinden scheitern am politischen Willen – je kleiner Gemeinden wie Altaussee oder Grundlsee desto „eigensinniger“ handeln diese. Wir haben daher erstmals beim SHV ein Ansuchen gestellt, da hier solidarisch von den anderen Gemeinden, die ja auch Nutznießer unserer Einrichtungen sind ein Beitrag geleistet werden könnte.  Unser Budget deckt nur die laufenden Kosten (Mindestanstellung Personal und Lohnnebenkosten, Mietkosten, Heizung).

– personelle Standards:  Bad Aussee wird  mit 2 MitarbeiterInnen betrieben mit insgesamt 45 Wochenstunden. Für die Anstellung mit 25 Wochenstunden fluktuiert das Personal im Schnitt alle 3-4 Jahre, da die Personen meist eine Ausbildung machen und dann von den regionalen Einrichtungen Vollzeit abgeworben werden. Dazu kommt eine ehrenamtliche Buchhaltung und Personalverrechnung, ehrenamtliche MitarbeiterInnen bei Projekten, auf Honorarbasis und ehrenamtlich ein Marketing, System- und Netzwerkbetreuer. Die Besetzung des Vorstandes und der RechnungsprüferInnen ist kein Problem, da wir genügend Personen haben, die uns unterstützen wollen. Da eines unserer Ziele ist, Partizipation aktiv zu gestalten, ist im Vorstand auch immer eine JugendvertreterIn, die/der von den Jugendlichen entsendet  wird..

Ausstattungsstandards: Mitten im Zentrum hinten im Eck könnte man die Lage des Jugendzentrums beschreiben.

gesetzliche Standards:
Vom Verbandskasten bis zum barrierefreien Zugang, Einhaltung der Bundes- sowie Landesgesetze.

B.) Aktivitäten/Prozessqualität:

Kernprozessstandards

– Wir setzen bei den Ressourcen der Jugendlichen an und vertreten eine Kultur der 2./3./4. Chance. Dies verlangt von uns JugendbetreuerInnen eine vertrauensvolle Beziehung mit den Jugendlichen und eine stetige Auseinandersetzung mit den Lebenswelten der Jugendlichen, mit aktuellen Jugendthemen und auch mit möglichen Gefahrenquellen.  Wir versuchen den Umgang mit Grenzen zu vermitteln und die Eigenverantwortung der Jugendlichen kontinuierlich zu schulen. Wir sind offen für unterschiedliche Jugendkulturen, für wechselnde Interessen und für individuelle Bedürfnisse der Jugendlichen.

– Jugendliche verbringen Ihre Freizeit hauptsächlich mit Gleichaltrigen. Räumlichkeiten und Aufenthaltsmöglichkeiten um die Zeit mit Gleichaltrigen verbringen zu können gibt es aber kaum oder sind bestimmten Gesellschaftsschichten vorbehalten. Während des offenen Betriebs können Jugendliche unsere Räumlichkeiten und Angebote (Infrastruktur) kostenlos und ohne Konsumzwang nützen.

– Über den offenen Betrieb hinaus bieten wir mit Projekten und Veranstaltungen Möglichkeiten der aktiven Freizeitgestaltung. Die Palette reicht von Kunst und Kulturveranstaltungen über Politik und Medien bis hin zu gesundheitsfördernden Projekten und sportlichen Veranstaltungen.

– Jugendliche werden dabei, um das Gemeinschaftsgefühl und Selbstbewusstsein zu fördern, aktiv in die Gestaltung und Umsetzung einbezogen.

– Zeit, Raum und Wertschätzung bieten jungen Menschen Möglichkeiten, sich angstfrei zu entwickeln, sich zu beteiligen und gesellschaftsbedingte Rahmenbedingungen auszugleichen.

 

Managementprozessstandards und Supportprozessstandards

Personalentwicklung:
Wir sind seit nun 20 Jahren ein Ausbildungsbetrieb für Soziale Arbeit, da Menschen mit entsprechender Ausbildung meist nicht mehr in die ländliche Region zurück gehen. Wir entwickeln daher mit unseren MitarbeiterInnen entsprechende Ausbildungspläne. Da wir nur Teilzeitjobs haben, wechseln diese nach erfolgreichem Abschluss in soziale Betriebe in der Region, die Vollzeitanstellungen bieten.

Finanzierungsplanung/Budgetierung/Buchhaltung/Controlling erfolgt plan- und zeitgemäß über entsprechende Programme.

  • Ergebnisqualität:

 

Output:
Daten werden ordnungsgemäß in der Datenbank erfasst (Stammdaten, MitarbeiterInnendaten, Angebotsdaten, Qualitätsstandards.

Stundenliste, Krisenkommunikation, Behördenkommunikation, Teamsitzungen, Fall- und Entwicklungsdokumentation, Verwaltungsaufgaben, Praktikumsbeurteilung, Dienstzeugnisse etc.. liegen als schriftliche Vorlagen auf. Alle Einzelgespräche/fälle (nach innen und außen) sind nachvollziehbar nach den Richtlinien des Datenschutzgesetzes dokumentiert.

Outcome/Wirkung:

Jugendliche bekommen eine professionale und qualitativ hochwertige Begleitung und bedarfsgerechte Beratung.  Wir machen die Angebote und Projekte in der Öffentlichkeit bekannt, um möglichst niederschwellig und den verschiedensten Jugendlichen das Angebot näher zu bringen.  Motivieren zu Projekten, (kreativ, handwerklich, sportlich, ect) um die Handlungsfähigkeit und Reflexionsfähigkeit zu erweitern (wahrnehmen, beobachten, reflektieren, wenn nötig/möglich korrigieren

Selbstbefähigung und Empowerment: Jede Person ist ExpertIn für sein eigenes Leben und wir können im Rahmen unserer Möglichkeiten fördern und unterstützen, um die Ressourcen und Fähigkeiten der Jugendlichen zu stärken.

Die Jugendlichen zeigen Spaß und Freude bei Projekten, sie können sich aktiv an Projekten und Angeboten zur Freizeitgestaltung beteiligen Mit Projekten stärken wir Jugendliche in ihrer Ausdrucksfähigkeit, Kreativität und Gemeinschaftsfähgkeit Mädchen bekommen nicht nur Beratungsangebote, sie werden aktiv und ressourcenorientiert gefördert und eingebunden zB.Auftrittsmöglichkeit Nachwuchsband, Raumgestaltung, Graffitiworkshop

Die Angebote und Projekte sind bedürfnis- und lebensweltorientiert, langfristige Vertrauensbasis Jugendliche verbessern durch die (non formalen) Angebote und Projekte ihre Lebensqualität, indem sie sich individuell einbringen können. Z.B. Sportangebote, Beratung zu präventiven Themen, Bewerbungsschreiben.

Außerdem gilt es, aufkommende Themen zu erkennen, aufzugreifen und zu behandeln. Jugendlichen soll vermittelt werden, dass sie mit ihren Problemen und Gefühlen, mit ihren Ängsten und Sorgen ernst genommen und diese mit Respekt und Verschwiegenheit behandelt werden.

Leistungsindikatoren:

Erreichen von 20% der Zielgruppe im offenen Betrieb, 10 % aktiv bei Projekten, Beratungsgespräche max. 10 %, Mädchenanteil Erstkontakte 30 % bei Projekten 50%

Wirkungsindikatoren:

wenn belastbare Vertrauensverhältnisse entstehen, auf die die Jugendlichen bei Bedarf zurückgreifen (war besonders gut zu sehen während der Corona-Zwangsschließung)

aktiv Angebote wie Sport oder Unterstützung bei Jobsuche eingefordert und angenommen werden

wenn sich im Vorstand aktiv Jugendliche um Vertretung bewerben und engagieren

wenn sich Verhaltensmuster im Laufe der Zeit (Jugendliche sind bei uns im Schnitt 3,5 Jahre) zum Wohle des Jugendlichen ändern z.b. Konfliktfähigkeit, Reflektieren des eigenen Verhaltens, belastbare Freundschaften in der Gruppe

weniger Schul – oder Lehrstellenabbrüche, weniger Politikverdrossenheit, Fähigkeit zu stabilen Beziehungen,

[1] vgl. Hankel, K, Neubrandenburg, MA, Zwischen Tür und Angel, Niederschwellige Beratung in der aufsuchenden Arbeit, 2013.